Eine der häufigsten Fragen ist die nach den Kosten und der Dauer von JTBD-Projekten. Leider lässt sich diese Frage nicht pauschal beantworten. Es gibt jedoch gewisse Faktoren, welche den Zeitbedarf und damit die entsprechenden Kosten erhöhen und eine erste Einschätzung ermöglichen.

Zeit- und Kostenfaktoren eines JTBD-Projekts

Die Kosten und die Dauer von JTBD-Projekten sind sehr unterschiedlich und hängen stark von Ziel des Projekts sowie den individuellen Anforderungen ab. Für eine erste Zeit- und Kostenschätzung sind folgende Punkte ausschlaggebend.

1. Projektumfang

Der Projektumfang ist der grösste Treiber für die Kosten. Es macht einen wesentlichen Unterschied, ob das Projekt als kurzfristiges Research- oder längerfristiges Strategie-Projekt aufgesetzt wird, welches auf Basis der Research-Daten bereits die Maßnahmen ableitet. Im Rahmen einer Produktentwicklung kann als Projektziel beispielsweise definiert sein, Kundenprobleme besser zu verstehen und von Kunden formulierte Wertkriterien abzuholen und zu quantifizieren (Schritte Discover und Define). Soll jedoch eine langfristige Produkt-, Segments- oder gar Unternehmensstrategie auf den Jobs-to-be-done aufgebaut werden, muss natürlich entsprechend mehr Zeit für die Lösungsentwicklung eingeplant werden (Schritte Design und Deliver). Die Frage nach dem Projektumfang sollte also frühzeitig und im Unternehmen breit abgestützt geklärt werden, um die Erwartungen an das Projekt optimal managen zu können.

2. Scoping und Zielsetzung

Je klarer und zielgerichteter ein JTBD-Projekt aufgesetzt ist, desto verwertbarer werden die Erkenntnisse sein. Eine Nachjustierung der Zielgruppe oder der zu untersuchenden Jobs-to-be-done bringen immer einen Zeitverzug mit sich. Dies kann nie ganz ausgeschlossen werden, vor allem, wenn bisher nur wenige Erkenntnisse über Kunden vorliegen. Ein zusätzlich eingeplanter, zeitlicher Puffer sowie das entsprechende Budget für eine mögliche Extra-Runde Interviews ist also auch bei gewissenhaftem Scoping ratsam.

3. Validitätsanspruch an die Ergebnisse

Ebenso entscheidend für Gesamtdauer des Projekts ist die Frage, welche Unschärfen der Erkenntnisse akzeptabel sind. In Design Sprints beispielsweise muss diese Bereitschaft aufgrund der knappen Zeit gezwungenermaßen sehr hoch sein. Die Befragung von wenigen Anwendern oder Kundenvertretern mag hier ausreichen oder als gut genug akzeptiert sein. Sollen allerdings langfristige Strategien auf Basis der Jobs-to-be-done umgesetzt werden, sind valide Erkenntnisse mit einer höheren Zahl an Untersuchungsteilnehmern unabdingbar. Die Folgekosten einer Fehlentscheidung auf Basis nicht ausreichend validierter Daten wären entsprechend hoch.

4. Zugang zur Zielgruppe

Grundsätzlich gilt: je exklusiver und unzugänglicher die zu untersuchende Kundengruppe ist, desto komplexer, zeitintensiver und damit teurer wird das Projekt. Beispielsweise sind Studenten in allen großen Städten gut vertreten, oftmals flexibel in der Zeiteinteilung und relativ günstig in der Incentivierung (Aufwandsentschädigung). Hingegen ist die Anzahl von Fondsmanagern, die Zeit für ein Interview haben, weitaus geringer. Auch ist eine Befragung eventuell nur bei Ihnen vor Ort möglich und ihre Incentivierung ist höher. Eine Rekrutierungs-Agentur wird entsprechend lange brauchen, um die geeigneten Teilnehmer zu finden. Die Komplexität der Kundengruppe ist damit ein wesentlicher Zeitfaktor, deren Incentivierung ein zusätzlicher Kostenfaktor.

5. Vorhandenes Know-how und Vorkenntnisse

Je mehr Erfahrung in einem Unternehmen zu Kundenbefragungen und kundenzentrierter Produktentwicklung vorhanden ist, desto schneller lässt sich der Jobs-to-be-done-Ansatz implementieren. Beispielsweise können Mitarbeiter mit Kenntnissen aus dem Design Thinking, aus der Marktforschung oder der Produktentwicklung bzw. der Strategieabteilung das Projekt unterstützen. Sie können beispielsweise Interviews oder die Quantifizierung durchführen, oder in der Ausarbeitung von Lösungsansätzen beistehen. Dies ermöglicht den Aufbau von internem Know-how, fördert das Buy-in der entsprechenden Unternehmensbereiche und kann externe Aufwände reduzieren helfen.

Bei nicht oder nicht ausreichend vorhandenem Know-how sollte das JTBD-Projekt durch einen externen Dienstleister durchgeführt werden. Hier fallen natürlich entsprechende Kosten an. Gleichzeitig reduziert sich allerdings auch der allfällige Koordinationsaufwand interner Projektbeteiligter. Externe Unterstützung bei der Durchführung eines JTBD-Projekts kann den Zeitbedarf insgesamt signifikant verringern.

6. Interne Positionierung und Rückhalt des Projekts

Ein oft nicht berücksichtigter oder unterschätzter Zeit- und Kostenfaktor ist die Positionierung des JTBD-Projekts im Unternehmen und der Rückhalt durch das Management. Eine hohe interne Akzeptanz des Projekts und der Erkenntnisse begünstigt natürlich die Durchführung, indem beispielsweise interne Ressourcen gestellt werden, oder auch die Erkenntnisse konstruktiv aufgegriffen werden.

Politische Ränkespiele und Abstimmungsrunden benötigen hingegen sehr viel Zeit und Energie. Und eine mangelnde Bereitschaft, die Erkenntnisse in entsprechende Massnahmen zu integrieren, kann im schlechtesten Fall zur Nicht-Nutzung der Projektergebnisse führen. Dies kommt praktisch einem Totalausfall des investierten Budgets und der Zeit gleich.

7. Weitere Kostenpunkte

Neben den obigen Kostenpunkten sollte noch mit folgenden, möglichen Zusatzkosten kalkuliert werden:

  • Kosten für Rekrutierung und Incentivierung der Teilnehmer
  • Mietkosten für externe Räumlichkeiten, falls die eigenen nicht geeignet sind
  • Externe Unterstützung bei der Quantifizierung der Ergebnisse sowie der Datenauswertung
  • Aufbereitung und Kommunikation der Ergebnisse sowie Anfertigung dafür notwendiger Medien (z.B. Websites, Poster, Video)

Fazit

Wie schnell ein JTBD-Projekt durchgeführt werden kann, hängt immer von den individuellen Umständen im Unternehmen sowie der Zielsetzung ab. Die obigen Zeit- und Kostenpunkte können dabei helfen, eine erste Einschätzung vorzunehmen. Diese Einschätzung wird auch für das Briefing eines externen Dienstleisters hilfreich sein. Daher macht es Sinn, diese Punkte bereits beim Aufsetzen eines JTBD-Projekts weitgehend zu klären.